Was hilft wirklich gegen Mobbing in der Schule?
Gegen Mobbing hilft vor allem, nicht allein zu bleiben. Wer gemobbt wird, sollte aufschreiben, was passiert, sich Verbündete suchen und so früh wie möglich Erwachsene einschalten: Eltern, Klassenlehrkraft, Beratungslehrkraft oder Schulsozialarbeit. Beenden muss das Mobbing die Schule, nicht das betroffene Kind.
Mobbing ist an deutschen Schulen kein Randthema. In der PISA-Studie 2022 gaben 21 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland an, sich mindestens einige Male im Monat Mobbing ausgesetzt zu fühlen. So steht es in einer Antwort der Bundesregierung an den Bundestag aus dem Jahr 2024. Wenn es dich betrifft, bist du also bei Weitem nicht die oder der Einzige.
Und noch etwas vorweg: Wenn du gemobbt wirst, bist du nicht schuld. Nicht wegen deiner Kleidung, deiner Figur, deiner Herkunft, deiner Noten und auch nicht, weil du „zu still“ bist. Mobbing sagt etwas über die aus, die mobben, und über eine Gruppe, die zuschaut.
Was ist Mobbing und was ist ein normaler Streit?
Nicht jeder Streit ist Mobbing. Wenn sich zwei in der Pause anschreien, sich ein paar Tage aus dem Weg gehen und dann wieder zusammen Fußball spielen, ist das ein Konflikt. Unangenehm, aber normal. Bei Mobbing kommen mehrere Dinge zusammen:
- Es passiert wiederholt und über längere Zeit, oft über Wochen oder Monate.
- Es richtet sich gezielt gegen eine bestimmte Person.
- Es gibt ein Machtgefälle: mehrere gegen einen, Ältere gegen Jüngere, die Beliebten gegen jemanden, der wenig Rückhalt hat. Die betroffene Person kann sich allein kaum wehren.
- Meist wissen andere davon oder ahnen es, greifen aber nicht ein.
Mobbing hat viele Formen. Manche sind laut und sichtbar, etwa Schubsen, Treten, Sachen wegnehmen oder kaputt machen. Andere sind leise: gemeine Spitznamen, Gelächter, sobald du etwas sagst, Gerüchte, Augenverdrehen, niemand will neben dir sitzen, bei Gruppenarbeiten bleibst du übrig. Gerade die leisen Formen werden oft unterschätzt, weil Erwachsene sie kaum mitbekommen.
Cybermobbing und der Klassenchat
Mit dem Smartphone hört Mobbing nach Schulschluss nicht mehr auf. Typische Beispiele: Im Klassenchat wird über dich gelästert, ein peinliches Foto von dir macht die Runde, es gibt eine zweite Gruppe ohne dich, in der alle anderen sind, oder jemand legt ein Fake-Profil mit deinem Namen an. Das Fiese daran: Es erreicht dich abends im eigenen Zimmer, und das Publikum ist groß.
Ein eigenes Gesetz gegen Cybermobbing gibt es in Deutschland nicht. Einzelne Handlungen können aber strafbar sein, zum Beispiel Beleidigung (§ 185 StGB), Bedrohung (§ 241 StGB) oder das unerlaubte Weiterschicken von Fotos, die dem Ansehen einer Person erheblich schaden können (§ 201a StGB). Ob im Einzelfall eine Straftat vorliegt, kann nur eine Fachperson beurteilen. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
Woran erkennst du, dass ein Kind gemobbt wird?
Viele Kinder und Jugendliche erzählen lange nichts. Sie schämen sich, wollen ihre Eltern nicht belasten oder haben Angst, dass alles schlimmer wird, wenn sich Erwachsene einmischen. Deshalb lohnt es sich, auf Signale zu achten, ob als Elternteil, Lehrkraft oder Freund:
- Bauch- oder Kopfschmerzen, vor allem morgens an Schultagen und kaum am Wochenende
- Ausreden, um nicht in die Schule, in den Bus oder zum Verein zu müssen, oder plötzlich andere Schulwege
- Kleidung, Schulsachen oder das Handy sind kaputt oder verschwunden, Taschengeld fehlt
- Rückzug: keine Verabredungen mehr, keine Einladungen zu Geburtstagen, keine Namen aus der Klasse in Erzählungen
- Starke Reaktionen aufs Handy: Es wird hastig weggelegt, oder das Kind wirkt nach dem Blick in den Klassenchat bedrückt
- Schlechter Schlaf, Gereiztheit, sinkende Noten
- Abwertende Sätze über sich selbst wie „Ich bin eh hässlich“ oder „Mich mag sowieso keiner“
Ein einzelnes Zeichen beweist nichts. Aufmerksam solltest du werden, wenn mehrere zusammenkommen und über Wochen anhalten. Dann ist ein Gespräch dran, aber kein Verhör. Auf die Frage „Wirst du gemobbt?“ antworten viele mit Nein. Leichter fällt die Antwort auf Fragen wie „Mit wem verbringst du die Pausen?“ oder „Gibt es jemanden in der Klasse, der dir das Leben schwer macht?“ Manchmal klappt so ein Gespräch besser nebenbei, beim Autofahren oder Kochen, wenn man sich nicht direkt gegenübersitzt.
Was kannst du tun, wenn du gemobbt wirst?
Dieser Abschnitt ist für dich, wenn du selbst betroffen bist. Du musst das nicht allein lösen, und das sollst du auch gar nicht. Du kannst aber einiges tun, damit Erwachsene dir besser helfen können.
Schreib alles auf
Ein Mobbing-Tagebuch klingt umständlich, ist aber eines der stärksten Mittel, die du hast. Wenn du damit zur Lehrkraft gehst, kann niemand mehr behaupten, das sei „nur einmal“ passiert.
- Notiere jedes Mal Tag, Uhrzeit und Ort, zum Beispiel „Dienstag, 9:40 Uhr, Pausenhof vor der Turnhalle“.
- Schreib auf, wer beteiligt war und was genau gesagt oder getan wurde. Wörtliche Zitate sind besser als Zusammenfassungen.
- Halte fest, wer es mitbekommen hat.
- Bei Cybermobbing: Mach Screenshots, auf denen Name oder Profil, Datum und Inhalt zu sehen sind. Speichere sie zusätzlich außerhalb deines Handys, zum Beispiel auf dem Rechner deiner Eltern.
- Schreib dazu, wie es dir danach ging. Das wirkt vielleicht unwichtig, zeigt Erwachsenen aber, wie ernst die Lage ist.
Eine Ausnahme gibt es: Wenn Nacktbilder von Minderjährigen herumgeschickt werden, mach davon keine Screenshots und leite nichts weiter, auch nicht an Erwachsene. Schon das Speichern solcher Bilder kann strafbar sein. Notiere stattdessen, wer was wann geschickt hat, und geh sofort zu deinen Eltern, einer Lehrkraft oder zur Polizei.
Such dir Verbündete
Mobbing funktioniert, solange jemand allein dasteht. Schon eine Freundin oder ein Freund, der in der Pause neben dir steht, kann viel verändern. Überleg, wer in der Klasse nicht mitmacht und vielleicht schon mal unangenehm berührt geschaut hat, als über dich gelacht wurde. Sprich diese Person direkt an: „Hast du mitbekommen, was die mit mir machen? Kannst du in der Pause bei mir bleiben?“ Auch Freunde außerhalb der Klasse, aus dem Verein oder der Nachbarschaft, geben Halt.
Hol einen Erwachsenen dazu
Erwachsenen davon zu erzählen ist kein Petzen. Petzen heißt, jemanden absichtlich in Schwierigkeiten zu bringen. Hilfe holen heißt, dich selbst zu schützen. Ansprechpersonen sind deine Eltern, deine Klassenlehrkraft, die Beratungs- oder Vertrauenslehrkraft, die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologie. Wenn die erste Person nicht hilft, geh zur nächsten. Du darfst so lange fragen, bis dir jemand hilft.
Sätze, die du dir zurechtlegen kannst
Im entscheidenden Moment fällt einem oft kein Wort ein. Leg dir deshalb ein paar Sätze zurecht und sag sie zu Hause laut, bis sie sitzen. Gegenüber denen, die dich fertigmachen, gilt: ruhig, kurz, dann weggehen.
- „Hör auf damit.“
- „Lass mich in Ruhe. Ich meine das ernst.“
- „Das ist nicht witzig.“
- „Ich hab das gespeichert.“
Und so kannst du eine Lehrkraft ansprechen:
„Ich werde seit ein paar Wochen von Leuten aus meiner Klasse fertiggemacht. Ich habe aufgeschrieben, was passiert ist. Allein komme ich da nicht raus. Können Sie mir helfen?“
Wenn es im Klassenchat passiert
- Schreib nicht zurück, auch wenn es schwerfällt. Jede Antwort liefert neuen Stoff.
- Mach Screenshots wie oben beschrieben, dann melde und blockiere die Absender. Die großen Apps haben dafür eine Meldefunktion.
- Du darfst eine Gruppe verlassen, in der du fertiggemacht wirst. Wichtige Infos für die Schule bekommst du auch anders.
- Fake-Profile kannst du bei der Plattform melden, damit sie gelöscht werden. Lass dir dabei von deinen Eltern helfen.
Was sollten Eltern tun und was besser nicht?
Wenn dein Kind dir erzählt, dass es gemobbt wird, hat es dafür meist lange Mut gesammelt. Deine erste Reaktion entscheidet mit, ob es dir beim nächsten Mal wieder etwas erzählt.
So gehst du vor
- Hör zu, ohne zu unterbrechen. Glaub deinem Kind und sag ihm, dass es richtig war, dir davon zu erzählen.
- Bleib ruhig, auch wenn du innerlich kochst. Wenn du explodierst, lernt dein Kind: Erzählen macht alles schlimmer.
- Besprecht die nächsten Schritte gemeinsam. Versprich nicht, niemandem etwas zu sagen. Versprich aber, nichts über den Kopf deines Kindes hinweg zu tun.
- Legt zusammen das Mobbing-Tagebuch an und sichert Screenshots.
- Bitte die Klassenlehrkraft schriftlich um ein Gespräch. Schildere sachlich, was passiert ist, mit den Daten aus dem Tagebuch, und frag, was die Schule unternimmt und bis wann.
- Halte das Ergebnis jedes Gesprächs schriftlich fest und frag nach ein bis zwei Wochen nach, ob sich etwas verändert hat.
Was du besser lässt
- Die Eltern der anderen Kinder anrufen oder die Kinder selbst zur Rede stellen. Das geht oft nach hinten los, und am Ende bekommt es dein Kind ab.
- In Elterngruppen oder sozialen Netzwerken öffentlich schreiben, wer was getan hat.
- Sätze wie „Ignorier das einfach“ oder „Dann hau halt zurück“. Das Erste hat dein Kind meist längst versucht, das Zweite kann ihm schaden, mehr dazu weiter unten.
- Das Handy wegnehmen, um dein Kind zu schützen. Viele Kinder verstehen das als Strafe und erzählen beim nächsten Mal nichts mehr.
Auch für dich ist so eine Situation belastend. Beim Elterntelefon der Nummer gegen Kummer kannst du kostenlos und anonym mit jemandem darüber sprechen, die Nummer steht unten im Hilfe-Kasten.
Was muss die Schule tun?
Mobbing in der Schule ist Aufgabe der Schule. Lehrkräfte haben die Verantwortung, Kinder und Jugendliche davor zu schützen, so beschreibt es auch die Staatliche Schulberatung in Bayern. Dort steht außerdem, dass jede bayerische Schule eine Beratungslehrkraft und eine Schulpsychologin oder einen Schulpsychologen als Ansprechperson hat. Die Kontaktdaten findest du auf der Homepage der Schule oder am Beratungsraum.
Eine Schule, die Mobbing ernst nimmt, tut unter anderem Folgendes:
- mit allen Beteiligten getrennt sprechen
- das betroffene Kind sofort schützen, etwa über die Sitzordnung, die Pausenaufsicht oder eine feste Ansprechperson
- mit der ganzen Klasse arbeiten, zum Beispiel mit dem No-Blame-Approach, bei dem eine Unterstützergruppe aus Mitschülern gebildet wird
- gegenüber den Mobbenden klare Grenzen ziehen, bis hin zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen
- über Wochen nachhalten, ob das Mobbing wirklich aufgehört hat
Wenn die Klassenlehrkraft nicht reagiert, wende dich an die Schulleitung. Bringt auch das nichts, ist für Familien aus dem Raum Aschaffenburg und Miltenberg die Staatliche Schulberatungsstelle für Unterfranken in Würzburg die nächste Anlaufstelle. Die Beratung dort ist kostenlos und vertraulich. Bei Straftaten wie Körperverletzung, Erpressung oder Bedrohung kannst du außerdem Anzeige bei der Polizei erstatten.
Für Lehrkräfte und Schulleitungen
Wenn Sie an Ihrer Schule präventiv arbeiten möchten, kommen wir mit zwei Trainern zu Ihnen, oder Ihre Klasse besucht uns im Dojo in Mömlingen. Möglich sind Projekttage, AGs oder regelmäßige Einheiten für bis zu 20 Teilnehmende, zu 15 Euro pro Person. Zu unseren Referenzen gehört die Realschule Großostheim. Details stehen auf der Seite Selbstverteidigung für Schulen.
Wie kann Training in Selbstverteidigung bei Mobbing helfen?
Ein Selbstverteidigungskurs beendet kein Mobbing. Er kann aber die Person stärken, die gemobbt wird, und zwar an mehreren Stellen.
Auftreten
Wer mobbt, probiert oft aus, wer sich wehrt und wer nicht. Das heißt nicht, dass Betroffene etwas falsch machen. Es heißt aber, dass eine klare Reaktion manchmal etwas verändert. Im Training übst du genau das: aufrecht stehen, Blickkontakt halten, laut und deutlich „Stopp!“ sagen, auch wenn das Herz rast. Was oft „Opferausstrahlung“ genannt wird, ist meist sichtbare Unsicherheit: gesenkter Kopf, leise Stimme, Ausweichen. Daran lässt sich arbeiten, Woche für Woche. Übungen für zu Hause findest du im Ratgeber Selbstbewusstsein stärken.
Erfahrung mit Druck
Im Partnertraining lernst du, ruhig zu bleiben, wenn dir jemand nahekommt, dich festhält oder schubst. Das passiert in einem geschützten Rahmen, mit Regeln und mit Trainern, die aufpassen. Je öfter du diesen Druck im Training erlebt hast, desto vertrauter fühlt er sich an, wenn es draußen ernst wird.
Eine neue Gruppe
Im Training triffst du Jugendliche aus anderen Schulen und Orten, die nichts von dem wissen, was in deiner Klasse los ist. Dort bist du einfach jemand, der trainiert. Das tut gut, gerade wenn es in der Schule schwer ist.
Schutz im Ernstfall
Wenn es körperlich wird, wenn du zum Beispiel an der Bushaltestelle festgehalten, in eine Ecke gedrängt oder geschubst wirst, lernst du im Kurs, dich zu lösen, Abstand zu schaffen und wegzukommen. Das Ziel ist immer, sicher rauszukommen und Hilfe zu holen. Um Gewinnen geht es dabei nie.
Im Kurs Instinct Fighting Jugendliche für 11- bis 17-Jährige trainieren wir das freitags in Mömlingen, zusammen mit Mindset-Training: Grenzen erkennen, Konflikte friedlich lösen, Mut aufbauen. Das Probetraining ist kostenlos.
Warum ist Zurückschlagen keine Lösung?
Viele Betroffene haben irgendwann den Gedanken: Wenn ich stark genug wäre, würde ich es ihnen heimzahlen. Das ist verständlich. Als Plan taugt es trotzdem nicht.
Zurückschlagen macht Mobbing selten besser. Oft wird es härter, weil die anderen in der Überzahl sind. Und für die Schule bist du dann plötzlich selbst jemand, der zugeschlagen hat. Im Gespräch mit der Schulleitung geht es dann um deinen Schlag und nicht mehr um die Wochen davor.
Dazu kommen rechtliche Folgen. Ab 14 Jahren bist du in Deutschland strafmündig (§ 19 StGB). Wer jemanden verletzt, kann sich wegen Körperverletzung strafbar machen (§ 223 StGB), auch wenn er vorher wochenlang provoziert wurde. Unter 14 gibt es zwar keine Strafe, Ärger mit der Schule und unter Umständen Forderungen nach Schadensersatz aber trotzdem.
Anders ist es bei Notwehr. Wenn du gerade angegriffen wirst, darfst du dich verteidigen, und zwar so, wie es nötig ist, um den Angriff abzuwehren (§ 32 StGB). Notwehr gilt für den Moment des Angriffs. Wer am nächsten Tag zurückschlägt, weil er gestern geschubst wurde, kann sich nicht auf Notwehr berufen. Das ist eine vereinfachte Darstellung und keine Rechtsberatung.
Deshalb steht in der Selbstverteidigung, wie wir sie unterrichten, die körperliche Abwehr ganz am Ende. Davor kommen Wahrnehmung, klare Worte, Abstand, Weggehen und Hilfe holen. Wie sich Gewalt verhindern lässt, bevor sie entsteht, liest du im Ratgeber Gewaltprävention.
Wo bekommst du Hilfe bei Mobbing?
Du musst nicht warten, bis es „schlimm genug“ ist. Die folgenden Angebote sind kostenlos.
Wenn du an nichts anderes mehr denken kannst oder Gedanken hast, dir selbst etwas anzutun, warte nicht ab. Schreib krisenchat, ruf die 116 111 an oder sprich mit einem Erwachsenen, dem du vertraust. In akuter Gefahr wähl die 112.
Häufige Fragen
Ab wann ist es Mobbing und kein normaler Streit mehr?
Von Mobbing spricht man, wenn eine Person wiederholt und über längere Zeit gezielt angegriffen, ausgegrenzt oder lächerlich gemacht wird und sich allein kaum wehren kann, weil die anderen in der Überzahl oder stärker sind. Bei einem normalen Streit sind beide Seiten etwa gleich stark, und der Konflikt löst sich meist nach einiger Zeit. Auch Cybermobbing im Klassenchat zählt dazu.
Was kann ich tun, wenn mein Kind in der Schule gemobbt wird?
Hör deinem Kind ruhig zu, glaub ihm und mach ihm klar, dass es keine Schuld trägt. Führt gemeinsam ein Mobbing-Tagebuch mit Datum, Ort, Beteiligten und Screenshots. Bitte dann schriftlich um ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft und frag, was die Schule unternimmt und bis wann. Ruf nicht selbst bei den Eltern der anderen Kinder an und unternimm nichts über den Kopf deines Kindes hinweg.
Ist Cybermobbing strafbar?
Einen eigenen Straftatbestand Cybermobbing gibt es in Deutschland nicht. Einzelne Handlungen können aber strafbar sein, etwa Beleidigung nach § 185 StGB, Bedrohung nach § 241 StGB oder das unerlaubte Weiterschicken bloßstellender Fotos nach § 201a StGB. Ab 14 Jahren sind Jugendliche strafmündig. Sichere Beweise per Screenshot, außer bei Nacktbildern von Minderjährigen. Ob eine Anzeige sinnvoll ist, klärst du am besten mit der Polizei oder einer Beratungsstelle.
Darf ich mich wehren, wenn ich in der Schule angegriffen werde?
Ja. Wer gerade angegriffen wird, darf sich nach § 32 StGB in Notwehr verteidigen, und zwar so, wie es nötig ist, um den Angriff abzuwehren. Am besten ist es, dich zu lösen, Abstand zu schaffen und Hilfe zu holen. Zurückschlagen am nächsten Tag ist keine Notwehr mehr und kann ab 14 Jahren als Körperverletzung strafbar sein. Das ist keine Rechtsberatung.
Hilft ein Selbstverteidigungskurs gegen Mobbing?
Ein Kurs beendet kein Mobbing, dafür sind Schule und Eltern zuständig. Er kann Betroffene aber stärken: Sie üben ein sicheres Auftreten, eine klare Stimme und deutliche Grenzen, lernen eine Gruppe außerhalb der Klasse kennen und wissen im Ernstfall, wie sie sich aus einem Griff lösen und wegkommen. Bei BoGi SV in Mömlingen gibt es dafür einen eigenen Kurs für 11- bis 17-Jährige.
Was tun, wenn die Schule bei Mobbing nichts unternimmt?
Wende dich zuerst schriftlich an die Schulleitung und nenne konkrete Vorfälle aus dem Mobbing-Tagebuch. Hilft das nicht, sind die Beratungslehrkraft, die Schulpsychologie und in Bayern die Staatlichen Schulberatungsstellen weitere Anlaufstellen, für den Raum Aschaffenburg und Miltenberg die Stelle für Unterfranken in Würzburg. Bei Straftaten wie Körperverletzung oder Bedrohung ist zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei möglich.
Soll ich die Eltern des mobbenden Kindes ansprechen?
Besser nicht auf eigene Faust. Direkte Anrufe oder Begegnungen mit den anderen Eltern eskalieren schnell, weil Eltern ihr eigenes Kind meist verteidigen, und am Ende bekommt es oft dein Kind in der Schule ab. Sinnvoller ist der Weg über die Klassenlehrkraft oder die Schulleitung. Die Schule kann Gespräche mit allen Beteiligten moderieren und Maßnahmen ergreifen.
